Psychologie gilt als Wissenschaft vom Verhalten, Erleben und Handeln des Menschen, deren Entwicklung über die Lebensspanne und deren inneren und äußeren Bedingungen und Ursachen. Sie befasst sich mit der Frage, wie und warum der Mensch bestimmte Gegenstände oder Situationen so und nicht anders wahrnimmt, über sie denkt, sie einschätzt, in ihrer Gegenwart oder bei ihrer Vorstellung fühlt, sich bestimmte Ziele setzt, plant, handelt, sich dabei an weiter zurückliegenden Erfahrungen orientiert oder aber völlig Neuartiges zuwege bringt. Die entsprechenden Vorgänge und Zustände nennt man Wahrnehmung, Bewertung, Einstellung, Emotionen, Motivation, Verhalten, Handeln, Gedächtnis, Lernen und Denken. Alle diese Grundbegriffe der Psychologie sind nicht bloße Beschreibungen, sondern sie umfassen in der Regel theoretisch fundierte Erklärungsansätze, deren Gültigkeit fortlaufenden Überprüfung unterzogen werden muss. Derartig umfassende Begriffe nennt man in der Wissenschaft Konstrukte.
Psychologie ist eine selbständige, mit Biologie, Physiologie und Medizin nahe verwandte Wissenschaft, deren Begrifflichkeit noch Spuren philosophisch- anthropologischer Vergangenheit aufweist. Von ihrer Arbeitsweise her ist sie vorwiegend naturwissenschaftlich orientiert. Sie ist keine Philosophie vom Wesen des Menschen oder der Gesellschaft, sie ist dagegen eine Erfahrungswissenschaft, die sich mit Verhalten und Erlebend des Lebewesens befasst. Psychologie ist eine Forschungswissenschaft und kennt daher keine unabänderlichen und ewigen Wahrheiten - ihr Wahrheitsbegriff ist auf Bewährung, Untersuchung und Analyse begründet und ihre Erkenntnisse besitzen überprüfbare Wahrscheinlichkeiten.
Der Gegenstandsbereich der Psychologie ist heute viel umfangreicher als zur Zeiten der reinen Verhaltensanalyse. Die einzelnen Teilbereiche der wissenschaftlichen Psychologie durchdringen einander.
Analyseaspekte der Psychologie
Allgemeine Psychologie Allgemeine Psychologie als klassisches und größtes Teilgebiet umfasst systematische Aussagen über grundlegende psychische Funktionen, vor allem Wahrnehmung, Denken, Sprache, Lernen, Gedächtnis, Wissen, Emotion, Motivation, sowie über theoriengeleiteten wissenschaftlichen Definitionen. Von ihrer Entwicklung und individuellen Ausprägungen wird dabei meist abgesehen, denn der Fokus liegt hierbei auf den allen Menschen zugrunde liegenden Prozessen. Durch den Aufweis von regelhaften Beziehungen zwischen inneren und äußeren Bedingungen, die zur Variation psychischer Funktionen beitragen, liefert die Allgemeine Psychologie Grundlagen für deskriptive und explikative Modelle bzw. Theorien.
Entwicklungspsychologie Entwicklungspsychologie ist die in größter Nähe zu differentieller und Sozialpsychologie betriebene Analyse der Genese bestimmter Verhaltens- und Erlebnisklassen in Beziehung zu Reifung, Wachstum und soziokulturellen Umgebungsmerkmalen in Abhängigkeit vom Alter.
Die moderne differentielle Entwicklungspsychologie sieht sich definitorisch abgegrenzt zur deskriptiven Entwicklungspsychologie der letzten Jahrzehnte. Das Individuum wird in einem ständigen reziproken Austausch mit seiner Umwelt begriffen (interaktionistische Kerntheorie). Die differentielle Entwicklungspsychologie hat ihren Forschungsbereich auf die gesamte Lebensspanne erweitert und befasst sich mit der Beschreibung, Erklärung und Modifikation von Entwicklungsprozessen im menschlichen Lebenslauf von der Zeugung bis zum Tode. Es ist nicht mehr denkbar, dass die psychosoziale Entwicklung des Menschen mit dem Ende der Adoleszenz abgeschlossen ist. Das gesamte Leben besteht aus Prozessen der Neu- und Weiterentwicklung.
Differentielle Psychologie Differentielle Psychologie betont die Bedingungen und Ausdrucksformen individueller Eigenarten von Verhalten und Erleben und steht in enger Verbindung mit Grundfragen der psychologischen Diagnostik und Entwicklungspsychologie. Menschen verhalten sich aufgrund ihrer unterschiedlichen Ausprägung von Fähigkeiten, Bedürfnissen und Emotionen in gleichen Situationen oft recht unterschiedlich. Um ein Verhalten vorhersagen zu können, müssen daher allgemeine Gesetzmäßigkeiten und individuelle Persönlichkeitsstrukturen berücksichtigt werden. Die Differentielle Psychologie versucht, die typische Ausprägung und Wechselwirkung zwischen mehreren psychischen Merkmalen festzustellen.
Sozialpsychologie Sozialpsychologie befasst sich insbesondere mit den Beziehungen zwischen Gruppen und Gruppennormen, Institutionen, soziokulturellen und sozioökonomischen Bedingungen einerseits und den Wirkungen auf individuelles Verhalten und Erleben andererseits. Ihre Hauptgebiete sind Einstellungs- und Vorurteilsforschung, Sozialisations- Kommunikations- und Massenkommunikationsforschung, Gruppendynamik und soziale Bedingungen der zwischenmenschlichen Wahrnehmung, Entscheidung und Konfliktbereinigung.
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